Dein Gerät zeigt eine Zahl — aber was bedeutet sie? Die WHO-Klassifikation ist der internationale Goldstandard für die Einordnung von Blutdruckwerten. Hier erfährst du, was normal, grenzwertig und behandlungsbedürftig ist.

Was bedeuten systolisch und diastolisch?

Dein Blutdruckmessgerät zeigt immer zwei Zahlen — zum Beispiel 125/82 mmHg:

  • 125 = Systolischer Wert (oberer Wert): Der maximale Druck, der entsteht, wenn das Herz sich zusammenzieht und Blut in die Arterien pumpt.
  • 82 = Diastolischer Wert (unterer Wert): Der minimale Druck zwischen zwei Herzschlägen, wenn das Herz sich entspannt und mit Blut füllt.
  • mmHg = Millimeter Quecksilbersäule: Die historische Einheit für Druck, die sich in der Medizin gehalten hat.

Welcher Wert ist wichtiger — systolisch oder diastolisch?

Beide sind wichtig. Bei jüngeren Patienten ist oft der diastolische Wert relevanter. Ab ca. 55 Jahren wird der systolische Wert zum wichtigeren Risikoindikator für Herzerkrankungen. Dein Arzt betrachtet immer beide Werte im Kontext.

Die WHO-Blutdrucktabelle (ESH-Klassifikation 2023)

Kategorie Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg) Empfehlung
Optimal < 120 < 80 Jährliche Kontrolle
Normal 120 – 129 80 – 84 Jährliche Kontrolle
Hochnormal 130 – 139 85 – 89 Arzt aufsuchen, Lebensstil ändern
Hypertonie Grad 1 140 – 159 90 – 99 Arzt aufsuchen (innerhalb Wochen)
Hypertonie Grad 2 160 – 179 100 – 109 Zeitnah zum Arzt
Hypertonie Grad 3 ≥ 180 ≥ 110 Sofortige medizinische Hilfe
Isolierte systolische Hypertonie ≥ 140 < 90 Arzt aufsuchen (vor allem ab 65 J.)
Diese Tabelle gilt für die Heimblutdruckmessung. In der Arztpraxis gelten leicht andere Grenzwerte (+5 mmHg systolisch, +5 mmHg diastolisch für Praxismessung). Quelle: ESH 2023 Guidelines.

Normwerte nach Alter: Orientierung

Der Blutdruck verändert sich mit dem Alter. Die folgende Tabelle gibt Orientierungswerte — es sind keine medizinischen Grenzwerte, sondern Durchschnittswerte aus Bevölkerungsstudien. Für individuelle Beurteilung immer den Arzt fragen.

Altersgruppe Typischer Bereich (systolisch) Typischer Bereich (diastolisch)
20–29 Jahre 108–125 mmHg 68–82 mmHg
30–39 Jahre 111–128 mmHg 70–84 mmHg
40–49 Jahre 113–132 mmHg 72–87 mmHg
50–59 Jahre 116–139 mmHg 74–88 mmHg
60–69 Jahre 121–147 mmHg 75–90 mmHg
70+ Jahre 130–155 mmHg 75–90 mmHg

Was tun bei dauerhaft erhöhten Werten?

Schritt 1: Messung korrekt durchführen

Bevor du in Panik verfällst: Überprüfe, ob du korrekt misst. Die häufigsten Ursachen für fälschlicherweise erhöhte Werte zuhause: falsches Anlegen der Manschette, keine Ruhephase vor der Messung, Sprechen während der Messung, Koffein kurz vorher. Lies unsere Anleitung zum korrekten Messen.

Schritt 2: 7 Tage dokumentieren

Messe 7 Tage lang morgens und abends (je 3 Messungen). Notiere die Durchschnittswerte. Erst nach dieser Messreihe hat dein Arzt eine aussagekräftige Grundlage für die Beurteilung.

Schritt 3: Lebensstilmaßnahmen

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt bei hochnormalen Werten zunächst Lebensstilmaßnahmen:

  • Gewichtsreduktion (1 kg weniger Körpergewicht = ca. 1 mmHg weniger systolisch)
  • Salzreduktion (unter 5g pro Tag)
  • Moderater Ausdauersport (3x pro Woche, 30-45 Minuten)
  • Alkoholreduktion
  • Stressmanagement
  • Nikotinstopp

Schritt 4: Arztgespräch

Ab Hypertonie Grad 1 (≥140/90) ist ein Arztgespräch notwendig. Bring deine Messreihe mit — am besten als PDF-Export aus deiner Blutdruck-App. Dein Arzt wird entscheiden, ob Lebensstilmaßnahmen ausreichen oder eine medikamentöse Therapie sinnvoll ist.

Wann sofort den Notarzt rufen?

Bei systolischen Werten über 180 mmHg zusammen mit Symptomen wie starkem Kopfschmerz, Sehstörungen, Brustschmerzen oder Atemnot: sofort 112 anrufen. Das kann ein hypertensiver Notfall sein.


Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet "120/80 mmHg"?

120 ist der systolische Wert: der maximale Druck wenn das Herz schlägt und Blut in die Aorta pumpt. 80 ist der diastolische Wert: der minimale Druck zwischen zwei Herzschlägen, wenn das Herz sich entspannt. Beide Werte zusammen bilden den Blutdruck. 120/80 mmHg gilt als optimal.

Ist Bluthochdruck ab 140 mmHg gefährlich?

Bluthochdruck (Hypertonie Grad 1) beginnt bei 140/90 mmHg. Er ist nicht sofort ein Notfall, aber ein ernstes Risikosignal: dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt Blutgefäße, Herz, Nieren und Gehirn. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt deutlich. Ab 140/90 solltest du einen Arzt aufsuchen.

Was ist Weißkittel-Hypertonie?

Weißkittel-Hypertonie bezeichnet erhöhte Blutdruckwerte nur in der Arztpraxis, nicht zuhause. Sie entsteht durch unbewussten Stress in medizinischen Umgebungen. Betroffen sind bis zu 30% der Patienten mit Praxishypertonie. Eine 24-Stunden-Langzeitmessung kann zwischen echter Hypertonie und Weißkittel-Hypertonie unterscheiden.

Steigt der Blutdruck mit dem Alter?

Ja, tendenziell. Der systolische Blutdruck steigt mit dem Alter, da die Arterien steifer werden. Was mit 30 Jahren hochnormal ist, kann mit 70 Jahren normal sein — allerdings gilt auch für ältere Menschen der Grenzwert 140 mmHg für die Behandlungsindikation. Individuell besprich die Zielwerte mit deinem Arzt.

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